Danke Richard für ein halbes Jahrhundert Ballonbegeisterung

In am 02. März 2026

Am 20. Februar 2026 ist Richard Bölling im Kreise seiner Familie verstorben und friedlich zu seiner letzten Reise aufgestiegen.
Richard hat sich eine lange Zeit seines Lebens im Ballon- und insbesondere Modellballonsport einen ehrenwerten Namen gemacht und hinterlässt bei ganz vielen von uns eine sehr große Lücke.

Doch wie begann seine eigene Ballonbegeisterung eigentlich, die er mit so viel Freude an Menschen der ganzen Welt weitergab?
Richards Geschichte fing Mitte der 70er Jahre ganz klassisch, wie bei vielen, mit dem Segel- und Modellflug an. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand dies jedoch schnell ein Ende, und eine Alternative war bereits gefunden. In einer Fliegerzeitung hatte er von Modellballonen gelesen, was ihn schließlich zu einem Modelltreffen am Aasee in Münster führte, wo er erstmals Modellballon-Enthusiasten mit ihren Heißluftmodellen traf. Von diesem Moment an war er sofort dem Thema „Leichter als Luft“ verfallen, und es ließ ihn nie wieder los. Die ersten Kontakte waren somit geknüpft, und da viele der damaligen Modellballonakteure ihren Sitz in der Schweiz hatten, konnte er seinen ersten eigenen Modellballon 1977 dort erwerben. In der Schweiz war es üblich, diese mit Butan zu betreiben und ein Sichern der Gasschläuche mit Wäscheklammern war dort kein Problem. In Deutschland gezwungen, Butan gegen Propan zu tauschen, führte allerdings direkt zu einem Fauxpas. Der höhere Druck war nicht wäscheklammertauglich, weshalb der Korb nahezu vollständig abbrannte. Richards technische Affinität und der Wille, es zu verbessern, war entfacht. Er beschäftigte sich intensiver mit der Technik der Modellballone und begann das System ‘Bölling’ zu entwickeln, welches Korb, Gasbehälter, Ventile, Brenner, Steuerung und viele andere Teile, wie z.B. Aufrüstgebläse umfasst. Ein System das heute von den meisten Modellballonpiloten weltweit gefahren wird. Die zunehmende Nachfrage veranlasste ihn Anfang der 80er Jahre, die Entwicklung mit seinen Komponenten zu professionalisieren, zu kommerzialisieren und stets noch 45 Jahre später innovativ zu gestalten. Die kleinen Modelle stehen den großen Ballonen in nichts nach, und ohne Richard wäre der Modellballonsport sicherlich nicht auf dem Niveau, auf dem er sich heute befindet. Noch im Januar 2026 hat er es geschafft seinen letzten eigens angefertigten und einsatzbereiten Modellballonkorb auszuliefern!

1984 zog Richard samt Familie aus beruflichen Gründen von Paderborn ins schwarzwälderische Brigachtal, wo es nicht lange dauerte, bis er Gleichgesinnte zu einem Treffen einlud. Besonders mit Hinblick darauf, dass andere Treffen meist von schlechten Wetterbedingungen geplagt waren und das Brigachtal schon immer besser gesegnet war. 1985 veranstaltete er das erste Brigachtaler Modellballontreffen, welches seither jährlich stattfand und zu dem Modellballöner aus dem In- und Ausland gerne kamen. Ein besonderes Highlight gab es zum 30. Treffen im Jahr 2015, als ihm mit dem ‘Largest display of model hot air balloons’ ein Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde gelang. Für den Rekord waren 55 Modellballone gleichzeitig länger als 5 Minuten in der Luft. Auf die letztjährige Jubiläumsveranstaltung ’40 Jahre Brigachtaler Modellballontreffen’ blickte Richard mit besonders viel Stolz, Freude und Dankbarkeit. Ein gemeinsames Fest welches er in großer Runde nochmal richtig genießen konnte.
Aus klein wurde in den 80er Jahren dann auch groß, als er 1986 bei Helmut Eyrich seinen Pilotenschein für Großballone machte. Schnell war in ‘bac Deodorant’ ein Sponsor für einen eigenen Heißluftballon gefunden, mit dem er deutschlandweit und international Werbeeinsätze bestritt. Nur der erste von insgesamt ca. 15 Ballonen unterschiedlichster Sponsoren. Luftschiff durfte in seiner Sammlung natürlich nicht fehlen, und ab 1990 machte er auch damit 137-mal den Himmel unsicher.
Besondere Freude hatte Richard daran, sein Können auch anderen beizubringen und so kamen ab 1989 über 20 Leute in den Genuss, ihren Pilotenschein bei ihm zu absolvieren.
1998 kam es erneut zu einem beruflichen Wechsel, als die Entscheidung getroffen wurde, das Ballonfahrunternehmen ‘Ballonsport Bölling’ zu gründen und ab da an auch hauptberuflich Ballon zu fahren. Mit zeitweise über 120 Fahrten im Jahr stets erfolgreich und unter anderem mit seinen beiden Söhnen Michael und Sebastian als aktive Piloten, auch immer noch ein Begriff, wenn es um Ballonfahren im Schwarzwald geht. Alles durchweg bestens organisiert von Richards Frau Christa Bölling, die bis heute für alles Organisatorische im Luftfahrbetrieb verantwortlich ist.

Homepage Richard Boelling

Richard Bölling
*1946   †2026

Die Begeisterung der Modellballöner bezüglich der jährlichen Treffen, konnten auch Großballöner teilen. Zwischen den Jahren 2002 und 2018 war Richard Veranstalter des Ballontreffens in Bad Dürrheim. Ein sehr schönes Treffen, welches für seine familiäre Atmosphäre geschätzt wurde, jedoch nach dem Rückzug einiger Sponsoren und nach Corona leider nicht fortgeführt werden konnte. Aufgrund der regen Teilnahme aus der Schweiz wurde diese Veranstaltung auch gern ‘die Schweizer Meisterschaft’ genannt.

Richard hat über all die Jahrzehnte hinweg unterschiedlichste Menschen, besonders mit seiner offenen und ehrlichen, aber stets herzlichen Art, begeistert. Jeder, der ihn kannte und heute an ihn zurückdenkt, hat seine eigene besondere Geschichte, die er mit ihm verbindet und für die er dankbar ist und in guter Erinnerung behält.

Richard, du wirst uns fehlen. Glück ab und gut Land bei deiner letzten Reise!

Jördis Klose
im Namen aller Angehörigen und Freunde