EASA Opinion 06/2026: Der Teufel steckt im Detail

In am 29. September 2026

Die neue EASA Opinion 06/2026 enthält auf den ersten Blick gute Nachrichten für den Modellflug. Doch bei genauerer Betrachtung bleiben erhebliche Risiken. EMFU und DMFV sehen deshalb keinen Anlass zur Entwarnung – und wollen sich auf europäischer Ebene weiter für modellflugfreundliche Regelungen einsetzen.

Positiv ist zunächst: Elektronische Sichtbarkeit, Fernidentifizierung und eine damit verbundene technische Startverhinderung sollen im Verbandsmodellflug nach Artikel 16 nicht automatisch vorgeschrieben werden. Auch die ursprünglich vorgesehene Ausweitung der Geo-Awareness-Anforderungen wurde gestrichen.

Doch die Details der Opinion geben aus Sicht von EMFU und DMFV weiterhin Anlass zur Sorge.

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Gewichtsgrenze soll auf 100 Gramm sinken

Besonders relevant ist die geplante Absenkung der Gewichtsgrenze von bislang 250 auf 100 Gramm. In der offenen Kategorie wären damit oberhalb dieser Grenze neue technische Anforderungen wie Remote-ID und eine technische Startverhinderung vorgesehen – auch für selbst gebaute Flugmodelle.

Hinzu kommt eine geplante Geschwindigkeitsbegrenzung für die gesamte offene Kategorie. Nach Einschätzung der European Model Flying Union (EMFU) könnte diese Regelung erhebliche Auswirkungen auf den klassischen Modellflug haben und den Betrieb zahlreicher Modelle in der offenen Kategorie praktisch unmöglich machen.

Artikel 16: Keine automatische Pflicht – aber nationaler Spielraum

Auch für den Verbandsmodellflug nach Artikel 16 ist das Thema elektronische Sichtbarkeit damit nicht endgültig vom Tisch. Nach dem Vorschlag sollen die national zuständigen Behörden entscheiden können, ob entsprechende Anforderungen an die Sichtbarmachung und technische Startverhinderung Bestandteil einer Artikel-16-Genehmigung werden. Damit entsteht ein erheblicher nationaler Gestaltungsspielraum.

Genau darin sehen EMFU und DMFV ein Risiko: Eine europäische Regelung, die bestimmte technische Anforderungen nicht zwingend vorschreibt, verhindert nicht automatisch, dass nationale Behörden diese später in Genehmigungen aufnehmen.

Unterschiedliche Bewertung der Situation

Deutlich gleichgültiger beurteilt Rechtsanwalt Christian Walther aus dem Umfeld von DAeC/MFSD die Entwicklung. In einem Forum des RMFC Ottobrunn bezeichnet er die aktuelle Situation als „ziemlich günstig“. Seiner Einschätzung zufolge werde die elektronische Sichtbarkeit den Verbandsmodellflug auf Modellfluggeländen grundsätzlich nicht betreffen. Auch für das Fliegen auf der „grünen Wiese“ erwartet er vernünftige Lösungen. Die Warnungen des DMFV bezeichnet Walther in seinem persönlichen Statement dagegen als „Hiobsbotschaften“ und wirft dem Verband vor, den Modellfliegern Probleme vorzugaukeln, die es aus seiner Sicht gar nicht gebe.

Der DMFV teilt diese Einschätzung ausdrücklich nicht. Entscheidend ist aus Sicht von EMFU und DMFV nicht allein, welche Anforderungen die Opinion unmittelbar vorsieht. Ebenso wichtig ist, welche Spielräume die künftigen europäischen Vorschriften den nationalen Behörden eröffnen. Sich bereits heute darauf zu verlassen, dass diese Spielräume später überall modellflugfreundlich genutzt werden, wäre aus Sicht der Verbände riskant.

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Der EU-Abgeordnete Markus Ferber (EVP) unterstützt den DMFV in seinen Bemühungen um niederschwellige Regulierungen für den Modellflug.

Jetzt entscheidet sich, was am Ende tatsächlich kommt

Wichtig ist: Noch ist nichts endgültig beschlossen.

Nach Abschluss der Arbeiten bei der EASA geht das Verfahren nun auf europäischer Ebene weiter. Damit besteht weiterhin die Möglichkeit, auf problematische Regelungen hinzuweisen und Änderungen zu erreichen.

EMFU und DMFV wollen diese Phase gemeinsam nutzen und die Interessen der Modellflieger gegenüber den europäischen Entscheidungsträgern vertreten.

Für Oktober ist dazu ein informelles Treffen in Brüssel vorgesehen. Für den DMFV werden Präsident Hans Schwägerl und der Beauftragte für Internationale Angelegenheiten Achim Friedl teilnehmen. Darüber hinaus ist eine Petition an die Europäische Kommission geplant.

DMFV und EMFU bleiben dran

Für den Modellflug wird es entscheidend sein, dass seine besonderen Strukturen und sein nachweislich sicherer Betrieb auch in den kommenden europäischen Regelungen angemessen berücksichtigt werden. Deshalb werden EMFU und DMFV den weiteren Prozess eng begleiten und sich gemeinsam dafür einsetzen, dass aus heute möglichen Anforderungen morgen keine unnötigen Einschränkungen für Modellflieger werden.

„Der DMFV wird seine Mitglieder, Vereine und alle Modellflieger über die nächsten Schritte informieren und um Unterstützung bitten, sobald konkrete Beteiligungsmöglichkeiten bestehen.“ so DMFV-Präsident Hans Schwägerl in seinem Statement zur aktuellen Situation. „Noch kann Einfluss auf die kommenden Regelungen genommen werden. Diese Chance wollen EMFU und DMFV gemeinsam nutzen.“