Die neue EASA Opinion 06/2026 enthält auf den ersten Blick gute Nachrichten für den Modellflug. Doch bei genauerer Betrachtung bleiben erhebliche Risiken. EMFU und DMFV sehen deshalb keinen Anlass zur Entwarnung – und wollen sich auf europäischer Ebene weiter für modellflugfreundliche Regelungen einsetzen.
Positiv ist zunächst: Elektronische Sichtbarkeit, Fernidentifizierung und eine damit verbundene technische Startverhinderung sollen im Verbandsmodellflug nach Artikel 16 nicht automatisch vorgeschrieben werden. Auch die ursprünglich vorgesehene Ausweitung der Geo-Awareness-Anforderungen wurde gestrichen.
Doch die Details der Opinion geben aus Sicht von EMFU und DMFV weiterhin Anlass zur Sorge.

Gewichtsgrenze soll auf 100 Gramm sinken
Besonders relevant ist die geplante Absenkung der Gewichtsgrenze von bislang 250 auf 100 Gramm. In der offenen Kategorie wären damit oberhalb dieser Grenze neue technische Anforderungen wie Remote-ID und eine technische Startverhinderung vorgesehen – auch für selbst gebaute Flugmodelle.
Hinzu kommt eine geplante Geschwindigkeitsbegrenzung für die gesamte offene Kategorie. Nach Einschätzung der European Model Flying Union (EMFU) könnte diese Regelung erhebliche Auswirkungen auf den klassischen Modellflug haben und den Betrieb zahlreicher Modelle in der offenen Kategorie praktisch unmöglich machen.
Artikel 16: Keine automatische Pflicht – aber nationaler Spielraum
Auch für den Verbandsmodellflug nach Artikel 16 ist das Thema elektronische Sichtbarkeit damit nicht endgültig vom Tisch. Nach dem Vorschlag sollen die national zuständigen Behörden entscheiden können, ob entsprechende Anforderungen an die Sichtbarmachung und technische Startverhinderung Bestandteil einer Artikel-16-Genehmigung werden. Damit entsteht ein erheblicher nationaler Gestaltungsspielraum.
Genau darin sehen EMFU und DMFV ein Risiko: Eine europäische Regelung, die bestimmte technische Anforderungen nicht zwingend vorschreibt, verhindert nicht automatisch, dass nationale Behörden diese später in Genehmigungen aufnehmen.
Unterschiedliche Bewertung der Situation
Die möglichen Auswirkungen der geplanten europäischen Regelungen auf den Modellflug werden unterschiedlich bewertet. Eine weniger kritische Einschätzung geht davon aus, dass der Modellflug auf Modellfluggeländen voraussichtlich nur unwesentlich betroffen sein wird und auch außerhalb von Modellfluggeländen praktikable Lösungen möglich bleiben.
Der DMFV teilt diese Einschätzung ausdrücklich nicht. Aus Sicht des Verbandes greift es zu kurz, ausschließlich die Anforderungen zu betrachten, die sich unmittelbar aus den derzeit diskutierten europäischen Regelungen ergeben. Entscheidend ist vielmehr auch, welche rechtlichen und regulatorischen Spielräume die künftigen europäischen Vorschriften den nationalen Behörden eröffnen und wie diese Spielräume in den einzelnen Mitgliedstaaten tatsächlich genutzt werden.
Eine heute angenommene modellflugfreundliche Ausgestaltung dieser Spielräume kann daher nicht ohne Weiteres als gesichert angesehen werden. Nach Auffassung des DMFV besteht insbesondere dort ein erhebliches Risiko, wo nationale Regelungen fehlen oder nur unzureichende Möglichkeiten bestehen, die besonderen Bedingungen des Modellflugs angemessen zu berücksichtigen.
EU-Staaten ohne funktionierendes Verbandswesen sind besonders betroffen
DMFV und EMFU beziehen deshalb auch ausdrücklich die EU-Länder in ihre Bemühungen mit ein, die selbst weder ein nationales Regelwerk aufweisen, noch über schlagkräftige Verbände verfügen. „Gerade in diesen Ländern ist die Open Category das maßgebliche Regelwerk, nach dem Modellflug rechtskonform betrieben werden kann.“ erläutert der DMFV Safety-Officer und EMFU-Delegierte Torsten Lehmann. „Nicht nur für uns als modellflugbegeisterte Urlauber z. B. in Portugal oder an den Hängen Südtirols wären die geplanten Verschärfungen ein absolutes Desaster. Insbesondere für die vielen tausend dort einheimischen Modellpiloten würden die neuen EU-Regeln quasi das Aus für ihr Hobby bedeuten. Der solidarische Gedanke innerhalb der EMFU ist hier unverzichtbar.“

Der EU-Abgeordnete Markus Ferber (EVP) unterstützt den DMFV in seinen Bemühungen um niederschwellige Regulierungen für den Modellflug.
Jetzt entscheidet sich, was am Ende tatsächlich kommt
Wichtig ist: Noch ist nichts endgültig beschlossen.
Nach Abschluss der Arbeiten bei der EASA geht das Verfahren nun auf europäischer Ebene weiter. Damit besteht weiterhin die Möglichkeit, auf problematische Regelungen hinzuweisen und Änderungen zu erreichen.
EMFU und DMFV wollen diese Phase gemeinsam nutzen und die Interessen der Modellflieger gegenüber den europäischen Entscheidungsträgern vertreten.
Für Oktober ist dazu ein informelles Treffen in Brüssel vorgesehen. Für den DMFV werden Präsident Hans Schwägerl und der Beauftragte für Internationale Angelegenheiten Achim Friedl teilnehmen. Darüber hinaus ist eine Petition an die Europäische Kommission geplant.
DMFV und EMFU bleiben dran
Für den Modellflug wird es entscheidend sein, dass seine besonderen Strukturen und sein nachweislich sicherer Betrieb auch in den kommenden europäischen Regelungen angemessen berücksichtigt werden. Deshalb werden EMFU und DMFV den weiteren Prozess eng begleiten und sich gemeinsam dafür einsetzen, dass aus heute möglichen Anforderungen morgen keine unnötigen Einschränkungen für Modellflieger werden.
„Der DMFV wird seine Mitglieder, Vereine und alle Modellflieger über die nächsten Schritte informieren und um Unterstützung bitten, sobald konkrete Beteiligungsmöglichkeiten bestehen.“ so DMFV-Präsident Hans Schwägerl in seinem Statement zur aktuellen Situation. „Noch kann Einfluss auf die kommenden Regelungen genommen werden. Diese Chance wollen EMFU und DMFV gemeinsam nutzen.“