FAI-Wettbewerb beim MFV Rhön-Dolmar
Einmal im Jahr erlauben Modellflugverein Rhön-Dolmar (DMFV) und die betroffenen Bauern unserer Szene, Rhöngras-Hänge nach West und Süd für FAI-Ranglisten-Wettbewerbe zu nutzen – und der Verein bringt sich dabei gastfreundlich als Caterer und Rückholer per Quad ein.
Nicht zuletzt wegen guter Wetteraussichten kamen 17 Teilnehmer. Ich hatte Frau Bettina überzeugen können, dass sie die lange Strecke von Hamburg in die Rhön mitfährt: Statt einer Ferienwohnung bei Kaltensundheim versprach ich den Sächsischen Hof in Meiningen.
Wie im Vorjahr war ich mit meinem alten Modellflugfreund Karl-Heinz Haase aus Sachsen-Anhalt verabredet: Ich schaffe es nicht mehr, nach jedem Flug die Modelle den Hang hochzutragen, noch dazu in 550 m Höhe (Hamburg: 20 m). Lungenkrebs und Herz-Vorhof-Flimmern vom Frühjahr scheinen überwunden, die Kondition bessert sich langsam, aber ich bin 85. Karl-Heinz holt mit erstaunlicher Fitness (er ist auch nicht mehr jung) die Modelle, zusammen mit seinem Freund Sven ein freundlicher und hilfsbereiter Zuwachs zur Szene.

Gerhard Wöbbeking ist Experte für Aerodynamik im Freiflug – insbesondere für die Klasse F1E – und Autor des Fachmagazins „Modellflieger“ des DMFV
Rund 20 Probestarts pro Modell mache ich zuvor in Hamburg in einem 80 m langen Wiesental ganz in der Nähe. So kann ich beim Wettbewerb Testflüge vermeiden: Ich kenne Fluggeschwindigkeit und Gleitwinkel meiner 5 Favoriten. Vier davon mit 2,84 m Spannweite, ein etwas kleinerer (2,50 m).
Zu 3 m/sec Windgeschwindigkeit am ersten der beiden Spätsommer-Tage passte Segler 90, Baujahr 2021. Und tatsächlich: Vier Maximalzeiten. Leider war ich in Runde 5 spät daran; Wind und Thermik über dem weiten Feld unterhalb des Hangs waren eingeschlafen und „EJ 6“ landete nur mit der viertbesten Zeit – Platz 4 im vorgezogenen Stechen. Ob ich ein langsameres Modell hätte aufrüsten müssen?

F1E Modell „EJ-6“ Spannweite 2,85 m, Streckung 15,5, Gesamtfläche 60,5 dm², Gewicht 568 g, Profil Erich Jedelsky. Gleitwinkel 1:20 bei ca. 4,5m/sec
Schwierige Windverhältnisse am zweiten Tag
Tag 2: Der Wind war auf 5 bis 6 m/sec aufgefrischt und verlangte eine schnelles Modell oder viel Ballast, und dann beides, um gegen die Strömung anzukommen. Nr. 83 – mein 9. F1E-Modell Baujahr 2018 – schien ideal, stand hoch im Aufwind. So in Durchgang 1.
Runde 2 frischte der Wind auf, noch dazu in 200 m Höhe. Er trieb den Flieger – nur ein Punkt am Himmel – rückwärts über einen Wald; ich löste die Funkbremse spät aus, damit es im Abstieg hinter den Bäumen landet. Das GPS markierte 1200 m Entfernung. Weil man die Entfernung eines Modells am Himmel nicht schätzen kann, hätte ich diese auch verkürzen können – aber nach einem Blick aufs hilfreiche Display wäre der Himmelspunkt verloren.
Endlich per Auto mit dem Modell zurück, war der 3. und letzte Durchgang des Tages schon fast beendet. Der Wind blies nun mit nahezu 10 m/sec. Dafür fehlt mir ein Modell; trotz weiteren Ballasts ließ sich Nr. 83 nicht mehr starten und mein Score Tag 2 war verdorben.
Dafür gelang der Abend. Bettina hatte sich zwei Tage in Meiningen umgesehen, dann aber doch bedauert, nicht die liebenswürdige F1E-Szene zu treffen. Nächstes Mal. Diesmal gab es in dem städtischen Theater Premiere eines Balletts „Buena Vista Social Club“- mit 18 fabelhaften Tänzerinnen und Tänzer zu klassischen Rhythmen aus Kuba. Wir bekamen noch Karten. Das großartige Theatergebäude hätte man nie in der thüringischen Provinz vermutet, so wenig wie den gepflegten Sächsischen Hof und seine „Kutscherstube“ fürs Abendessen. Meiningen ist eine Reise wert! Dabei hatten wir die einzigartige „Erlebniswelt Dampflokomotive“ noch gar nicht ins Auge gefasst.