Die Fliegerei wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Und begleitet ihn seither tagtäglich. Seit frühester Kindheit ist der Flugplatz in Tannheim seine Heimat, alles was fliegt seine Leidenschaft. Weltweit bekannt ist Matthias Dolderer als einer der tollkühnen Piloten, die bei der spektakulären Red Bull Air Race World Championship um den Titel kämpfen. Weniger bekannt ist hingegen, dass der 48-Jährige bereits seit dem Grundschulalter ein Faible für den Modellflug hat, wie er im Gespräch mit der Modellflieger-Redaktion verriet.

Modellflieger: Deine Eltern haben in Tannheim den Flugplatz betrieben. Kann man sagen, dass Du auf dem Flugplatz groß geworden bist?

Matthias Dolderer: Ja, kann man. Meine ersten fünf Jahre bin ich auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, danach dann auf dem Flugplatz. Seitdem bin ich jeden Tag mit der Luftfahrt verbunden. Der Flugplatz ist der beste Spielplatz der Welt, wir hatten eine super Jugend.

Modellflieger: Da kommt die Begeisterung für die Fliegerei wahrscheinlich von ganz allein.

Matthias Dolderer: Ich bin das erste Mal mit meinem Papa geflogen, da war ich 3 Jahre alt. Dann war ich schon infiziert und wollte immer Fliegen. Ich wollte in jedem Flugzeug sitzen und wann immer möglich mitfliegen. Ab 14 dann immer selber.

Modellflieger: Erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten Flug in einem Flugzeug?

Matthias Dolderer: Nein, das nicht. Aber an einen der ersten Flüge mit meinem Papa über Tannheim. Damals war ich fünf und wir flogen in einer SuperCub. Das bleibt für immer im Gedächtnis hängen.

Modellflieger: Und wann bist du dann selbst in die Fliegerei eingestiegen?

Matthias Dolderer (lacht): Offiziell mit 14. Zunächst ging es ans Segelfliegen, mit 17 kam alles dazu, was einen Motor hat.

Modellflieger: In Deinem Lebenslauf finden sich einige bemerkenswerte Punkte: Jüngster deutscher Ultraleichtpilot, Deutscher Meister im Ultraleichtfliegen, jüngster deutscher Fluglehrer und nicht zuletzt erster Deutscher Red Bull Air Race-Weltmeister. War das Erreichen dieser Meilensteine für Dich vor allem viel Arbeit oder liegt Dir das Ganze einfach im Blut?

Matthias Dolderer: Von alleine kommt nichts, man muss sich alles erarbeiten. Es war teils viel Arbeit und Schweiß, Geduld und Übung.

Modellflieger: 1993 hast Du zusammen mit Deiner Schwester den Flugplatz in Tannheim von Euren Eltern übernommen. Habt Ihr da von Anfang an drauf hingearbeitet?

Matthias Dolderer: Anfangs war es noch nicht klar, wer was in Zukunft irgendwann macht. 1993 haben wir dann gemeinsam beschlossen, dass wir die Vision unserer Eltern weiterführen und ausbauen.

Modellflieger: Neben der klassischen Fliegerei hast Du irgendwann auch mit Kunstflug begonnen. Wie kam es dazu?

Matthias Dolderer: Mich haben die Grenzflugzustände schon immer begeistert. Ich wollte mit allem immer gut sein und das Maximale beherrschen. Schon im Segelflug. Als ich dann den mit 18 die PPL-A [Privatpilotenlizenz, Anm. d. Red.] bekommen habe, hab ich zwei Monate später die Kunstflugausbildung gemacht und abgeschlossen.

Modellflieger: Kann man als Kunstflug-Pilot die Loopings, Turns und Rollen überhaupt genießen oder ist man so konzentriert und angespannt, dass man davon gar nicht viel mitkriegt?

Matthias Dolderer: Man könnte sagen es ist vollendeter Genuss bei höchster Konzentration. Aber natürlich hängt das auch davon ab, was genau man mit welchem Flugzeug macht. Wenn ich ein Looping fliege ist das so, wie wenn ich mit dem Auto eine Kurve fahre. Ganz relaxed. Je näher man Richtung Boden kommt, je mehr Konzentration und Aufmerksamkeit ist erforderlich. Man muss sich immer im Voraus darüber im Klaren sein, was man macht, Risiken einschätzen und sich an den Plan halten.

Modellflieger: Als Pilot für die Flying Bulls und als Teilnehmer an den Red Bull Air Races hast Du das geschafft, wovon viele nur träumen können. Waren das auch für Dich Lebensträume, die in Erfüllung gingen?

Matthias Dolderer: Beides war ganz eindeutig die Erfüllung von Träumen. Sogar besser. Einfach unbeschreiblich. Die Kombination aus Fliegen, Team, Organisation, Management, Verantwortung und Glücksgefühlen ist einzigartig.

Modellflieger: Das Fliegen mit hoher Geschwindigkeit in geringer Höhe zwischen Hindernissen hindurch birgt natürlich Risiken. Hat man da als Pilot nicht auch mal Angst?

Matthias Dolderer: Keine Angst, jedoch Respekt vor Technik, Mensch, Natur. Ein gewisses Risiko ist immer dabei, wenn sich ein Mensch mit einer Maschine oder Technik bewegt. Ein gutes Training und Risikomanagement ist wichtig, um Risiken im Voraus so gut es geht auszuschließen.

Modellflieger: Gibt es Dinge, die Du als Pilot unbedingt noch einmal machen willst?

Matthias Dolderer: Vor allem will ich gesund bleiben. Aber natürlich auch Rennen gewinnen und nochmal Weltmeister werden. Aber es gibt auch andere fliegerische Dinge, die mich reizen. Starfighter F104 fliegen. Buschfliegen. Mehr Wasserfliegen. In der Fliegerei kann man so viel machen, da reicht ein Leben kaum aus dazu.

Modellflieger: Wie sieht es eigentlich mit dem Thema Modellflug aus – schon mal probiert?

Matthias Dolderer: Ja klar, so hab ich auch angefangen. Als ich 10 war oder so, da hatten wir einen Schüler an unserer Flugschule, der mir das Modellfliegen beigebracht hat. Das war damals schon wie eine Sucht. Genauso wie später das manntragende Fliegen. Ich hatte lange keine Zeit mehr dafür, möchte das jetzt aber wieder richtig anfangen. Und mit ein paar „Modellflug-verrückten” Freunden habe ich auch schon das eine oder andere spannende Projekt in Planung. Darüber aber gerne ein anderes Mal mehr.