Sporting Code der FAI: Teil 1 – Allgemeiner Teil

In am 16. Januar 2015

logo_faiWie alles begann
Internationaler Luftsport ist eine komplizierte Angelegenheit. Um allseits akzeptierte Regeln zu finden, muss man Erfahrungen austauschen. Das geschah erstmals 1905, als sich Ballonfahrer aus acht Ländern zur „Conférence internationale d’aérodynamique“ in Paris trafen. Gemeinsam entwickelten sie ein Reglement, mit ihren Ballons Rennen zu fahren. Die Jahresbeiträge für die von ihnen gegründeten „Fédération Aéronautique Internationale“ (FAI) errechneten sie aus dem nationalen Verbrauch an Ballongas. – Bis 1998 war Paris der Sitz, dann wechselte das Sekretariat der FAI nach Lausanne in die Schweiz, um dem Internationalen Olympischen Komitee nahe zu sein und dessen Angebote für Jahrestagungen im Olympischen Museum nutzen zu können. Die englische und nicht mehr die französische Fassung der Regeln war schon vorher verbindlich geworden.
„Ballooning“ hieß auch die erste Luftsport-Kommission. „Aeromodelling“ kam als vierte Air Sport Commission (ASC) nicht früher als 1951 dazu, als es schon längst internationalen Modellflugsport gab. Die Modellflug-Regeln – der Sporting Code – heißen darum „SC Section 4“, die Kommission wird nach ihrem französischen Namen abgekürzt CIAM genannt.
Die Klassen bekamen fortlaufende Buchstaben. Sportkommissionen vereinten von vornherein mehrere Klassen unter einem Dach, Ballooning (CIA) z.B. Freiballons (Klasse A) und Luftschiffe (Klasse B). Flugmodelle sind Class F, sie werden wegen ihrer Vielfalt in die einzelnen Kategorien F1, F2 usw. unterteilt. Ein Regelwerk für Raketenmodelle („Space Models“) wurde in den 60er Jahren in den USA entwickelt und als Class S in die CIAM integriert. Also: „F“ und „S“ sind keine Abkürzungen, sie sind Teil eines alphanumerischen Ordnungssystems. In der Praxis einer Sportkommission wird „Klasse“ (engl. class) aber selten für die verschiedenen Arten von Luftsport verwandt, sie definiert einen ganz bestimmten Typ eines Flugmodells samt seiner spezifischen Regeln (z.B. F3A).
Satzung der FAI
Jeder Verband braucht eine Satzung; die Satzung („Constitution“) der FAI besteht aus den „Statutes“ und den „By-Laws“. Sie regeln die Rechte der Mitglieder, die Wahl des FAI Präsidiums, die Aufgaben der einzelnen Kommissionen und sogar Funktionen in der zentralen Geschäftsstelle in Lausanne, Sekretariat genannt. Nicht etwa „Büro“, denn – so steht es in den By-Laws – die einzelnen Airsport-Kommissionen sollen ein „Bureau“ wählen, das als Vorstand die Geschäfte dieser Kommission führt. Bei der CIAM werden die einzelnen Bureau-Mitglieder für zwei Jahre gewählt. An ihrer Spitze stehen CIAM Präsident Antonis Papadopoulos und drei Vizepräsidenten sowie zwei „Secretaries“. Zum Bureau gehören die Vorsitzenden der Unterausschüsse, die sich um die einzelnen Modellflug-Kategorien kümmern, sowie der Vorsitzende des Unterausschusses Education.
Sporting Code Allgemeiner Teil
Das sportliche Regelwerk der einzelnen Luftsport-Kommissionen hat sich zu allererst nach allgemeinen Bestimmungen zu richten – nach der General Section des FAI Sporting Code. Diese wurde jüngst überarbeitet und Oktober 2014 von der FAI Generalkonferenz verabschiedet. Sie liegt seit Ende November als Ausgabe 2016 vor – was großen Einfluss auf die Arbeit der einzelnen Kommissionen hat. Diese haben die jeweilige General Section in den allgemeinen Teil ihres jeweils speziellen Sporting Codes auf ihre Belange hin herunter gebrochen. Jetzt müssen diese allgemeinen Teile binnen weniger Monate überarbeitet, in ihren Plenarversammlungen diskutiert und schließlich verabschiedet werden.
Für die CIAM bedeutet das: Die Plenarversammlung findet 2015 am 24. und 25. April statt. Das Bureau kommt am 23. April zusammen, um die letzten Änderungen an seinen Vorschlägen zum neuen Allgemeinen Teil des CIAM-Sporting Code zu diskutieren und beschlussfähige Vorlagen zu verabschieden. Das Plenum entscheidet dann am 25. April 2015 über ein Reglement, das ab 2016 gültig ist. Vorschläge, die bereits vorliegen und bis 15. November 2014 von Unterausschüssen und nationalen Aeroclubs eingebracht worden waren, können 2015 nicht berücksichtigt werden – es sei denn, sie betreffen nicht den Allgemeinen Teil, sondern die einzelnen Klassen oder Kategorien.
Der Allgemeine Teil im Sporting Code der CIAM
Die Bezeichnung dieses wichtigsten (und weitgehend unbekannten) Teils des Sporting Codes ist „SC Sec 4 Vol ABR“[1]:
Sec 4A (CIAM Internal Regulations) ist eine bis ins Kleinste ausgearbeitete Geschäftsordnung der CIAM, einschließlich aller nötigen Formblätter, die jeweils in einem eigenen Anhang (= Annex) untergebracht sind.
Sec 4B (General Rules for International Contests) beschreibt die allgemeinen Regeln für internationale Modellflugwettbewerbe, und ist darum für ambitionierte Modellflugsportler wie Organisatoren am Wichtigsten. Hier steht, welche internationalen Wettbewerbe es gibt, was die Teilnahmebedingungen sind und was Organisatoren bei der Durchführung zu beachten haben. Angaben über die Auslegung von Flugfeldern, das Stoppen von Zeiten, Dauer von Wettbewerben und wann sie zu unterbrechen sind, nach welchen Kriterien Einzel- und Teamplätze vergeben werden und wie die Gewinner zu ehren sind. Für die einzelnen Klassen ist aufgeführt, wie viele Modelle jeder Wettbewerbsteilnehmer bei einer internationalen Meisterschaft einsetzen darf. Wie hat er einen Protest gegen eine Entscheidung oder einen Vorgang vorzubringen? Was ist an Modellen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt? Wie muss er sein Modell beschriften?
Ob klassenspezifische Angaben nicht besser bei den Beschreibungen der einzelnen Modellflugklassen aufgehoben sind, wird derzeit im CIAM Bureau geprüft.
Sec 4C Part 1 Model Aircraft definiert, was überhaupt ein Flugmodell ist, welche Klassen es gibt und wie sich diese im Grundsatz unterscheiden. Auf die sieben F-Kategorien entfällt ein Universum von 61 FAI-Klassen, von denen 24 bei internationalen Meisterschaften geflogen werden. Eine Besonderheit sind dabei die F6-Klassen, die Flugaufgaben für Flugshows beschreiben, ohne Modelle zu definieren, die es nicht schon in anderen Kategorien gibt.
Aus 24 WM-Klassen folgen nun keine 24 Welt- oder Kontinentalmeisterschaften pro Jahr. Tatsächlich gibt es höchstens 12 oder 13, dazu eine Raketen-EM oder WM (Kontinental- und Weltmeisterschaften gibt es Jahr für Jahr im Wechsel). Zum einen werden bei etlichen internationalen Meisterschaften zwei oder mehr WM-Klassen geflogen (bei F2 Fesselflug sogar vier). Zum anderen gibt es Klassen wie F3B (RC Segelflugmodelle mit drei Flugaufgaben), F3D (Pylon Racing) oder F5BD (Elektro-Segelflugmodelle und –Pylonracer), für die aus praktischen Gründen ausschließlich Weltmeisterschaften angeboten werden. Und F3M (große Scale-Kunstflugmodelle) ist zwar seit ein paar Jahren eine WM-Klasse, doch ohne eine einzige internationale Meisterschaft wird sie wohl in Kürze aus dieser Liste gestrichen.
Eine Besonderheit sind Raketenmodelle. Da sich die zehn Kategorien theoretisch jeweils mit sechs verschiedenen Antrieben kombinieren lassen, verfügt SM (Space Modelling) über genau so viele Klassen wie die Flugmodelle Class F. Die Raketen-Modeller lieben denn auch die Vielfalt und haben zweimal acht Klassen bei internationalen Meisterschaften durchgesetzt, acht für Junioren (bis 18) und acht für Senioren. Details im Sporting Code 4 Vol SM.
Sec 4C Part 2 Records beschäftigt sich mit Weltrekorden. Es gibt 126 verschiedene für Flugmodelle. Manche werden bei internationalen Meisterschaften erflogen, z.B. im Pylon Racing, andere unabhängig davon aufgestellt – mit unterschiedlichen Antrieben, für Segler, Wasserflugmodelle und für Helikopter. Wie im Rahmen von Wettbewerben müssen die Bedingungen vergleichbar sein, darum sind sie ziemlich sorgfältig definiert. „Ziemlich“ – weil derzeit eine CIAM Arbeitsgruppe Ungenauigkeiten und Widersprüche auszubessern sucht und veraltete Messvorschriften durch moderne Methoden ersetzt. – Nicht erfasst sind dabei die Bestimmungen für die 43 Rekorde mit Raketenmodellen, die stehen im Sporting Code SM.
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[1] SC steht für „Sporting Code“
Sec(tion) 4 zeigt an, dass es der SC der Aeromodelling Commission ist
Vol(ume) heißt so viel wie „Band“
ABR ist die Bezeichnung dieses Bandes von immerhin 89 A4-Seiten, der u.a. drei große Kapitel hat, hier A, B und R (R für „Records“, Rekorde) genannt, zusammen die „General Rules for CIAM Activities“.