Noch in diesem Jahr möchte die Europäische Kommission das Regelwerk für den Betrieb von unbemannten Flugsystemen („unmanned aircraft systems“, UAS) abschließend beraten. Ziel ist es, im Laufe des Jahres 2019 eine bindende Verordnung in allen europäischen Ländern einzuführen. Vorbereitet hat dieses kommende EU-Gesetz – das außerhalb der EU auch in Ländern wie Schweiz, Norwegen und Liechtenstein gelten wird – die europäische Agentur für Luftsicherheit in Köln (EASA). In teilweise heftigen Diskussionen wurde unter anderem vom DMFV immer wieder verlangt, den Modellflug in der bisherigen Form zu ermöglichen und nicht nur eine geregelte Nutzung von Drohnen zu sichern. In den Augen der EASA sind auch Flugmodelle „UAS“; sie sollen den gleichen Regeln wie Drohnen unterworfen werden.

Für die Freiheit des Modellflugs in seiner bisherigen Form hatte sich auch die deutsche EU-Parlamentarierin Gabriele Preuß eingesetzt. Gemeinsam formulierten am 21. Dezember 2017 EU-Parlament, -Kommission und -Rat den „Erwägungsgrund 20 c)“ und beauftragten die EASA entsprechend: „Bei der Verabschiedung von Rechtsakten sollte die EU-Kommission berücksichtigen, dass ein nahtloser Übergang von den verschiedenen nationalen Systemen zu dem neuen Rechtsrahmen der Union erforderlich ist, damit Flugmodelle weiterhin so geflogen werden können, wie es heute möglich ist.“

Die schwierige Diskussion mit der EASA und die Aktivitäten des DMFV fasste der modellflieger in der April-Ausgabe 2018 auf den Seiten 84 und 85 zusammen.

Erwägungsgrund 20 c).pdf

modellflieger02/2018.pdf

Mit dem Jahr 2017 und der offiziellen Beauftragung der EASA durch die EU-Gremien, einen europäischen Gesetzestext vorzulegen, endete kurioserweise auch die Beratung der EASA mit den betroffenen Verbänden. Das EASA-Team war vorauseilend tätig gewesen. Im Januar überarbeitete es die bis dahin vorgelegten Unterlagen, um am 6. Februar 2018 den endgültigen Entwurf eines europäischen Drohnen- und Modellfluggesetzes zu veröffentlichen. Dieser Gesetzesvorschlag – die diversen Papiere werden zusammen „Opinion No 01/2018“ genannt – wird seitdem im EASA-Komitee der EU-Kommission diskutiert, aber nicht mehr mit den betroffenen Verbänden. Zugang zum EASA-Komitee haben unter anderem die nationalen Luftfahrtministerien, die denn auch aufgefordert wurden, binnen zweier Wochen ihre Stellungnahme zu dieser „Opinion“ abzugeben.

Hier sah der DMFV erneut eine Chance, seine Position einzubringen. Eine Stellungnahme wurde mit dem Schweizerischen Modellflug Verband gemeinsam erarbeitet und am 16. Februar 2018 an das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geschickt.

Beim ersten Treffen des europäischen EASA-Komitees – so wurde berichtet – ging es um eher allgemeine Fragen. Folglich wurden die nationalen Ministerien aufgefordert, ihre detaillierten Verbesserungsvorschläge bis 14. März 2018 nach Brüssel zu schicken. Das war Gelegenheit für den DMFV, das erarbeitete Positionspapier am 28. Februar an alle betroffenen nationalen Aeroclubs der EU zu schicken – wie schon einmal 2016 zum „Prototype“. Diesmal geschah das mit der Bitte, es dem jeweiligen Luftfahrtministerium weiter zu leiten. Leider war die Resonanz gering. Vermutlich, weil Aeroclubs der Ansicht sind, sie hätten die schwierige Materie ja an die EMFU, die Europäische Modellflug-Union, delegiert. Zum anderen, weil viele am Thema sowieso kein Interesse haben.

EASA Opinion No 01/2018.pdf

Auszug aus EASA Opinion + Draft Regulation 6. Febr. 2018.pdf (deutsch)

2018_02_28 Proposals for amendments EASA on UAS.pdf

Änderungs-Vorschläge EASA Opinion DMFV.pdf (deutsch)

Die EASA will oberhalb von 150 Meter Höhe einen freien Luftraum unter anderem für den kommerziellen Drohnenbetrieb schaffen. Das bedeutet, privates Drohnen- und Modellfliegen um jeden Preis auf eine Flughöhe von 120 Meter zu beschränken – mit einer 30-Meter-Zone als Puffer. Abweichungen soll es nur in dafür ausgewiesenen Gebieten geben, und/oder für die Mitglieder der Modellflugclubs und Modellflugverbänden, die von der Luftaufsicht eine Betriebsgenehmigung bekommen. Auf diese Weise soll die Auflage des „Erwägungsgrundes 20 c)“ der EU erfüllt werden – siehe oben. Der DMFV hat kritisiert, dass eine solche Betriebsgenehmigung gegeben werden „kann“, nicht „muss“ oder wenigstens „soll“. Wird der Artikel 6 der künftigen EU-Regulierung nicht mehr in diesem Sinne geändert, steht es ja im Belieben der zuständigen nationalen oder regionalen Behörden, Verbänden Betriebsgenehmigungen zu erteilen und Modellflug oberhalb von 120 Meter weiterhin möglich zu machen, oder auch nicht.

Das war ein wichtiger Grund für die Vertreter des DMFV, beim deutschen BMVI vorzusprechen. Dort wurde versichert, dass man Artikel 6 sehr wohl im Auge habe und sich dem Modellflug, wie er bisher betrieben werde, verpflichtet fühle.

Im Rahmen solcher Betriebsgenehmigungen wird nach EASA-Definition in der „Spezifischen Kategorie“ geflogen. Es gibt aber auch die „Offene Kategorie“, für die nach dem Willen der EASA keine besonderen Betriebsgenehmigungen erforderlich sind. Hier soll die 120-Meter-Grenze ohne Ausnahme gelten, da nutzte alles Argumentieren mit den EASA-Vertretern nichts. Die drei Unterkategorien und die Klassen, in denen geflogen werden kann, zeigt die Übersicht auf Seite 21 der „Opinion“.

Open Classes Opinion No 1/2018.pdf

Die Übersicht macht deutlich, dass vor allem an den Betrieb von Drohnen gedacht ist. Drohnen-Piloten sollen fern von Flughäfen die Freiheit haben, über nicht einbezogene Personen zu fliegen (A1), in einem sicheren Abstand von ihnen (A2), und fern von ihnen oder in einem sicheren Abstand zu Wohngebieten (A3). Unter A3 sind erkennbar Flugmodelle gemeint, wie wir sie kennen, mit einem Startgewicht von bis zu 25 Kilogramm und ohne Flugautomatik – Klasse C4. Sie müssen sich nur in bestimmten Zonen elektronisch identifizieren (Transponder), der Pilot muss ein Online-Training und einen Online-Test absolviert haben (derzeit in Deutschland der „Kenntnisnachweis“) und als Pilot registriert sein.

Erstaunliche Freiheiten gibt es, wollte man ein Flächenmodell von weniger als 250 Gramm in der Klasse C0 fliegen. Hat dieses eine eingebaute Höhenbegrenzung, wird nach Lektüre der Gebrauchsanweisung als einzige bürokratische Auflage (!) beispielsweise ein belebter europäischer Badestrand zum Flugfeld – sofern er nicht mit mehr als 19 Meter pro Sekunde  (entspricht 68 Kilometer pro Stunde) und unter 120 Meter überquert wird. Natürlich hat die EASA bei der Klasse C0 nicht an Flächenmodelle gedacht, aber die konsequente Leugnung eines Unterschieds von Drohnen und Flugmodellen gebiert auch solche Absurdität.

Möglicherweise wird solche Freiheit aber nicht Gesetz. Schon in früheren Publikationen hatte die EASA auf sogenannte Standardszenarien verwiesen, die noch zu definieren seien. Sie sollen die Lücken füllen, die ein Schema wie das der Open-Kategorie offen lässt, oder bislang nicht erfasste Betriebsarten für Drohnen und Flugmodelle beschreiben. Diese Standardszenarien zu erarbeiten, hat die Agentur im Juli Vertreter von Verbänden zu einem Workshop eingeladen. Der DMFV wird dabei sein und die Interessen seiner Mitglieder vertreten.