#tdm20: Sonntag ist „Tag des Modellflugs”

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Ready for departure

Egal ob Alt oder Jung, ob Mädchen oder Junge, Großstadtkind oder Dorfbewohner: der Modellflug hält für jeden Menschen besondere Augenblicke bereit. Momente, die es gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen zu feiern gilt. Der 07. Juni 2020 ist daher „Tag des Modellflugs”. Davon lassen sich die fast 90.000 Mitglieder des DMFV sowie die vielen Piloten in tausenden Vereinen und Interessengemeinschaften auch nicht von der weltweiten Corona-Pandemie abhalten. Im Gegenteil.

Die sozialen Einschränkungen, die mit dem Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 einhergingen, haben viele Menschen hart getroffen. Nicht nur Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote stellten einen massiven Eingriff in den Alltag dar. Insbesondere der oft wochenlange Verzicht auf gewohnten Freizeitaktivitäten war und ist für viele Menschen eine Belastung. Wohl dem, der ein Hobby wie den Modellflug hat. Denn das Fliegen selbst ist zwar ein ganz entscheidender, aber eben nicht der einzige Bestandteil des in Deutschland traditionell tief verwurzelten Hobbys.

„Von der Intensiven Beschäftigung mit physikalischen Gesetzen und Materialkunde über das Training an Simulatoren bis hin zur Konstruktion und dem eigentlichen Bau der Modelle gibt es eine einmalige Bandbreite an Dingen, mit denen wir Modellflieger uns auch abseits des Flugplatzes und in den eigenen vier Wänden beschäftigen können”, erklärt Hans Schwägerl, Präsident des Deutschen Modellflieger Verbands. „All diese und viele andere Geschichten wollen wir gerade im Corona-Jahr 2020 am ‚Tag des Modellflugs’ so vielen Menschen wie möglich erzählen.”

Dennoch ist natürlich klar, dass der Festtag für das traditionsreiche Hobby vor dem Hintergrund der immer noch eingeschränkten Möglichkeiten ganz anders aussehen wird, als ursprünglich geplant. Landauf, landab wurden zwar Flugtage geplant, Tage der offenen Tür organisiert, Mitmach-Aktionen vorbereitet – aber in diesem Jahr ist eben alles anders. Vieles von dem, was sich normalerweise auf den Flugplätzen abgespielt hätte, muss nun ins Internet und unter dem Hashtag #tdm20 in die sozialen Medien verlegt werden. Eine Herausforderung, die die Modellflugszene gerne annimmt.

Fantasie, Kreativität und Durchhaltevermögen sind gefragt, um den Modellflug dennoch so zu feiern, wie es dem tollen Hobby einfach gebührt. Doch davon haben Modellflieger schließlich schließlich mehr als genug. So lassen sich beispielsweise auf Instagram, bei Youtube, Facebook und Co. zu jeder Tages- und Nachtzeit stimmungsvolle Bilder, kurzweilige Videos oder auch ausführliche Baudokumentationen teilen, erleben und genießen. Doch das Ganze ist nicht nur eine tolle Möglichkeit, Spaß und Lehrreiches zu verbinden. Ungezählt sind die Flugzeugbauingenieure und Berufspiloten, deren erster Kontakt mit Flugzeugen über den Modellflug erfolgte. „Jeder kann mitmachen“ lautet daher auch die Devise für den „Tag des Modellflugs”. Denn auch mit dem in Corona-Zeiten nötigen Abstand ist geteilte Freude schließlich doppelte Freude.

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Die Zukunft des Modellflugs im europäischen Rechtsrahmen

Die Zukunft des Modellflugs im europäischen Rechtsrahmen

11 Fragen an Rechtsanwalt Carl Sonnenschein

Fragt man sich, welchen Weg der Modellflug in den kommenden Jahren einschlagen wird, kommt man an den Regelungen nicht vorbei, die die EU-Kommission für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) verabschiedet hat. Klar, diese Vorschriften sind von ihrem Ursprung her nicht für die Nutzer von Flugmodellen gemacht, dennoch teilt sich der Hobby-Modellflieger künftig sowohl den Luftraum als auch das Regelwerk mit den gewerblichen Drohnenbetreibern.

Allerdings hat der EU-Gesetzgeber für Modellflug im Verbandsrahmen ein kleines, aber entscheidendes Hintertürchen eröffnet, das es ermöglicht, das Hobby wie bisher nach relevanten, nationalen Gesetzen weiter ausüben zu dürfen.

Was dies für Modellflugpiloten bedeutet und welchen Weg der DMFV gewählt hat, um für seine Mitglieder die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, haben wir Rechtsanwalt Carl Sonnenschein, Verbandsjustiziar des DMFV, gefragt.

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Herr Sonnenschein, der Modellflug soll im EU-Recht anders geregelt werden als der Drohnenbetrieb. Wie ist dies möglich?

Carl Sonnenschein: Eigentlich müssen sich auch Modellflieger künftig europaweit an die Regulierungen der EU-Durchführungsverordnung 2019/947 halten. Der Modellflug wird darin in der sogenannten „Offenen Kategorie“ geregelt. Damit sind z. B. keine Flüge höher als 120 Meter mehr möglich. Nachdem in den ersten Entwürfen der EU-Regulierung keine Ausnahmen für den Modellflug vorgesehen waren, haben besonders der Schweizerische Modellflugverband (SMV) und der DMFV dagegen massiv opponiert. Ergebnis dieser Bemühungen sind der Erwägungsgrund 27 und der Artikel 16 der Verordnung, die es den verbandsmäßig organisierten Modellfliegern erlauben, ihrem Hobby wie gewohnt nachgehen zu können.

Und was genau regelt dieser Artikel 16?

Artikel 16 erlaubt es der zuständigen, staatlichen Stelle des jeweiligen EU-Mitgliedslandes, Vereinen oder Verbänden eine Betriebserlaubnis zu erteilen, die es ermöglicht, Modellflug nach von der EU-Verordnung abweichenden Regeln betreiben zu dürfen. Für die Verbände gibt es zwei mögliche Optionen, nach denen sie ihren Antrag stellen können. Entweder nach relevanten, nationalen Vorschriften (Option 2a), oder nach bewährten Verfahren, Organisationsstrukturen und Managementsystemen (Option 2b).

Hat der DMFV schon einen Antrag auf Betriebserlaubnis gestellt und für welche Option hat unser Verband sich entschieden?

Der DMFV hat seinen Antrag bereits im September 2019 ans Bundesverkehrsministerium gestellt, nachdem klar war, dass aus unserer Sicht ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Weg nur über die Option 2a), den nationalen Regeln möglich ist.

Wieso das? Option 2b) eröffnet den Verbänden doch offensichtlich ein wesentlich größeres Mitspracherecht.

Das scheint in der Tat auf den ersten Blick so zu sein. Taucht man aber tiefer in die Materie ein, wird schnell deutlich, dass eine Betriebserlaubnis nach Verfahrensweisen von Verbänden nur in den Staaten sinnvoll ist, in denen man keine ausreichende, nationale Gesetzgebung für den Modellflug hat. In Deutschland gibt es mit der LuftVO und den Gemeinsamen Grundsätzen des Bundes und der Länder eine rechtliche Grundlage, die den Modellfliegern in unserem Land eine größtmögliche Freiheit gewährt im Vergleich zu den weitaus strengeren Regeln in anderen Ländern. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass es dem DMFV mit seinen Mitgliedsvereinen und Mitgliedern möglich war, entscheidend auf die Neufassung der LuftVO 2017 im Sinne der Modellflieger einzuwirken. Es ist weltweit wohl einmalig, dass es keine starre Flughöhenbegrenzung für Flugmodelle gibt. Die Gemeinsamen Grundsätze des Bundes und der Länder wurden maßgeblich durch die Vorstellungen des DMFV geprägt. In der letzten Änderung 2018 konnte in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Experten der Landesluftfahrtbehörden alle Änderungswünsche des DMFV umgesetzt werden.

Dieses nach dem jetzigen System etablierte und anerkannte Zusammenspiel von Piloten, Verbänden, Luftfahrt- und Naturschutzbehörden aufzugeben und die komplette Selbstregulierung durch einen Verband zu fordern, käme einem politischen Selbstmord gleich und ist gesellschaftlich weder gewollt noch mehrheitsfähig.

Wie werden die Verbände sicherstellen können, dass ihre Mitglieder sich an die Auflagen der Betriebserlaubnis halten?

Dies ist natürlich viel leichter, wenn es sich um erprobte und allgemein anerkannte Gesetze handelt. Diese sind bei den Modellfliegern in Fleisch und Blut übergegangen und werden allgemein bereits heute befolgt. Auch für die einschlägigen Ordnungsbehörden ergeben sich hieraus keine neuen Herausforderungen.

Ein neues Regelwerk hingegen macht den Verband zu einer Quasi-Behörde, sozusagen einer „Modellflugpolizei“, die in den Reihen ihrer Mitglieder sicherstellen muss, dass dieses Regelwerk gekannt, akzeptiert und auch umgesetzt wird. Konsequenterweise muss dieser Verband Vergehen gegen die eigenen Regeln auch ahnden, z. B. mit Verwarnungen, Entzug der Registrierung oder Verbandsausschluss.

Dieser Weg ist für den DMFV ausgeschlossen. Wir verstehen uns als Interessensvertretung unserer Mitglieder gegenüber Politik und Behörden … nicht als deren verlängerter Arm.

Was bedeutet die neue EU-Verordnung für die Aufstiegserlaubnis auf zugelassenen Vereinsgeländen?

Der DMFV hat von Beginn an gefordert, dass die Zuständigkeit für die Zulassung von Modellfluggeländen bei den Landesluftfahrtbehörden verbleibt. Nur so kann gewährleistet werden, dass etwa ein belastbarer Konsens mit den Naturschutzbehörden gefunden wird. Auch wenn das nicht immer leicht ist und zum Teil vor Gericht entschieden werden muss. Aber genau hierbei hilft der DMFV seinen Vereinen und bietet ihnen kostenlosen, aber effizienten Rechtsbeistand.

Ich kann nur davor warnen, die 5kg-Grenze – wie von verschiedenen Seiten gefordert – auf der „grünen Wiese“ aufzuweichen. Die Konsequenz wäre, dass sich Modellflug von den Vereinsgeländen weg verlagern würde, da ja keine Notwendigkeit einer Aufstiegserlaubnis für die Flugmodell-Mittelklasse mehr bestünde. Ein verheerendes Signal, insbesondere dann, wenn durch eine mögliche Einrichtung von Flugkorridoren für gewerbliche Drohnen die besondere Schutzbedürftigkeit von Modellflugplätzen mit Aufstiegserlaubnis dringend benötigt wird.

Sie sprachen bereits von den Landesluftfahrtämtern. Wie wird denn grundsätzlich die behördliche Zuständigkeit für den Modellflug geregelt sein?

Eine gute Frage. Unseren letzten Informationen zu Folge, die wir aus dem Hause des BMVI („Bundesverkehrsministerium“ – Die Red.)  erhalten haben, wird die Fachaufsicht für den Modellflug ab dem 01.01.2021 wohl beim Luftfahrtbundesamt liegen. Die Zuständigkeit für Aufstiegserlaubnisse und Platzzulassungen verbleibt dann bei der Luftfahrtbehörde des jeweils zuständigen Bundeslandes.

Wann ist denn mit der Erteilung der Betriebserlaubnis für die Verbände zu rechnen?

Das ist leider noch sehr schwer zu sagen. Im Grunde hat das Bundesverkehrsministerium hierfür noch Zeit. Für die Umsetzung der EU-Verordnung in nationales Recht hat der Gesetzgeber eine Übergangsfrist von bis zu drei Jahren vorgesehen. In dieser Übergangszeit wird weiter nach den bisher geltenden, nationalen Gesetzen geflogen.

Der DMFV drängt jedoch auf eine baldige Erteilung seiner Betriebserlaubnis, um seinen Mitgliedern eine größtmögliche Planungssicherheit zu gewährleisten. Gegebenenfalls werden wir unseren Antrag im Januar 2021 beim Luftfahrtbundesamt erneut vorlegen, sollte das LBA dann die zuständige Stelle sein und das BMVI hierüber noch nicht abschließend befunden haben.

Gilt diese Betriebserlaubnis dann für alle Modellflieger in Deutschland?

Nein. Die Betriebserlaubnis gilt nur für die Mitglieder des Verbandes, für den die Erlaubnis erteilt wurde. In Deutschland werden das nur die Verbände DAeC und DMFV sein. Das hat das BMVI bereits in gemeinsamen Gesprächen in Bonn sehr deutlich gemacht. Modellflieger, die nicht über einen der beiden Verbände organisiert sind, können dann im erschwerten Rahmen der „Offenen Kategorie“ fliegen.

Wie sieht es aus, wenn deutsche Piloten ihr Flugmodell im europäischen Ausland betreiben wollen?

Grundsätzlich kann das jeder im Rahmen der „Offenen Kategorie“ tun. Die europaweite Vereinheitlichung der Regeln liegt ja im ureigensten Interesse von EASA und EU-Kommission. Um allerdings in den Genuss der Betriebserlaubnis von Verbänden anderer Länder kommen zu können, bedarf es des gegenseitigen Anerkennens der jeweiligen Regelungen. Der DMFV ist hierzu bereits in engem Kontakt zu den Kollegen aus Österreich und der Schweiz. Weitere Gesprächspartner werden folgen. Man muss aber auch feststellen, dass die meisten Länder in der Umsetzung der EU-Regeln noch gar nicht so weit sind wie wir in Deutschland.

Ab dem 1. Juli 2020 soll die Registrierungspflicht für Betreiber unbemannter Luftfahrzeuge in Kraft treten. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Tatsächlich hat die EU den Start der Registrierungspflicht wegen der anhaltenden Corona-Pandemie um ein halbes Jahr auf den 1. Januar 2021 verschoben. Dann wird es aber ernst. Jeder Drohnen-, aber auch jeder Modellflugpilot muss sich in einer nationalen Datenbank des LBA mit Namen, Geburtsdatum, Adresse, Emailadresse, Versicherungs- und Telefonnummer registrieren. Die gesammelten Daten werden dann in ein europäisches Register überführt. Derzeit gibt es weder die nationale noch die europäische Datenbank.

Wenn das soweit ist, sollen die Verbände DMFV und DAeC die Möglichkeit erhalten, ihre Mitglieder en bloc zu registrieren, sofern denn alle notwendigen Daten in der Verbandsverwaltung vorliegen.

Herr Sonnenschein, wir danken Ihnen für dieses Interview und das klare Bekenntnis, dass Modellflug auch im europäischen Rechtsrahmen in Zukunft wie bisher möglich sein wird.

„Modellflug bleibt grundsätzlich möglich“

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Interview mit DMFV-Präsident Hans Schwägerl zu Corona-Krise

Die Corona-Pandemie hat auch Einfluss auf den Modellflugsport in Deutschland. DMFV-Präsident Hans Schwägerl gibt in einem Interview einen Überblick über die Lage für die Modellflieger und über die Aktivitäten des Verbandes.

In der Corona-Pandemie herrscht bei den Modellfliegern große Unsicherheit, was man als Modellflieger eigentlich noch darf und was nicht. Kann der DMFV hier für Aufklärung sorgen?

DMFV-Präsident Hans Schwägerl: Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Und dann wird das teilweise noch von den örtlich zuständigen Behörden unterschiedlich ausgelegt. In einigen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern können auch Modellflugplätze wieder mit Einschränkungen genutzt werden, in allen anderen Ländern wird das in Kürze auch wieder gehen. Wir haben dazu auf unserer Website eine Übersicht erstellt. Grundsätzlich gehen wir aber von Folgendem aus: das Fliegen abseits von Modellfluggeländen ist im Rahmen der üblichen gesetzlichen Vorschriften und unter Einhaltung der jeweiligen Allgemeinverfügungen aus unserer Sicht grundsätzlich möglich.

Auch in Bayern? Denn um ein generelles Modellflugverbot in Bayern hatte es in den letzten Wochen einige Verwirrungen gegeben.

Inzwischen ist das auch in Bayern wieder möglich. Wir erhielten aufgrund zahlreicher Nachfragen, die beim Luftamt Südbayern von Vereinen und einzelnen Modellfliegern eingingen, von eben jenem Amt zunächst die mündliche und später auch die schriftliche Information, wonach der Modellflugbetrieb nicht als „triftiger Grund“ zum Verlassen der Wohnung gesehen werden könne. Hier war wohl die Zero-tolerance-Politik der bayerischen Regierung maßgeblich. Die widersprüchlichen Aussagen in den letzten Tagen und die nun teils bereits erfolgten oder angekündigten Lockerungen hatten uns dazu bewogen, noch einmal persönlich mit den zuständigen Ämtern Kontakt aufzunehmen. Die Luftfahrtbehörde rückte dann von der bisherigen Ansicht ab, Modellflugsport außerhalb von Vereinsgeländen zu verbieten und verwiesen auf die Zuständigkeit der Kreisordnungsämter in Abstimmung mit dem Innenministerium. Vom Innenminister Joachim Herrmann gab es dann am Ende grünes Licht.

Dem DMFV wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, man hätte überhaupt nicht auf das Luftamt hören dürfen. Schließlich war diese Behörde gar nicht zuständig, wie sie ja später selbst einräumte.

Natürlich schmerzt so ein Flugverbot und es tat mir auch für alle bayerischen Modellpiloten unendlich leid. Und mit dem heutigen Wissen hätte man das vielleicht auch anders managen können. Aber sowohl für uns als auch für die Behörden hat es so eine Situation noch nie gegeben. Und ich weiß nicht, ob es wirklich ein Fehler ist, wenn man der Aufforderung einer Behörde folgt, mit der man seit Jahren sehr gut und vertrauensvoll zusammenarbeitet. Ein Fehler wäre es aber sicher gewesen, an der Behörde vorbei an die Kreisordnungsämter heranzutreten. Das wäre einem Misstrauensvotum gleichgekommen. Und dass die Modellflieger in Bayern früher hätten wieder fliegen können, wäre damit im Übrigen auch nicht sicher gewesen. Denn es gab, wie wir inzwischen wissen, durchaus Kreisordnungsämter, die die gleiche Auffassung vertraten wie das Luftamt Südbayern. Wir hätten das Verhältnis zum Luftamt aber wahrscheinlich nachhaltig beschädigt. Zudem hätten wir als diejenigen dagestanden, die nicht einmal in einer solchen Krise für ein paar Tage die Füße stillhalten können und stattdessen auf eine Extrawurst pochen. Langfristig hätte ein solches Vorgehen ganz sicher mehr Schaden angerichtet.

Kürzlich hat der DMFV einen offenen Brief an die Gesundheitsämter von Bund und Ländern mit der Bitte um Öffnung der Modellflugplätze verschickt. Warum hat man das nicht früher gemacht? Modellflug ist doch auch auf den Modellflugplätzen nie ein Risiko in Sachen Ansteckung gewesen.

Dazu muss man sich ja nur einmal überlegen, warum der Staat so weitreichende Maßnahmen getroffen hat. Vereinfacht gesagt: Weil es nur so auch beim Letzten ankommt, dass die Sache ernst ist und dass wirklich jeder seine persönlichen Bedürfnisse hintenanstellen muss. Individuelle Forderungen wären da doch völlig fehl am Platz gewesen. Nun, nach einigen Wochen das Lockdowns und mit den ersten Lockerungsmaßnahmen muss man dann aber wieder genauer hinsehen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht. Und offen gesagt war mir und auch anderen im Verband nicht ganz wohl bei der Sache. Aus gesamtgesellschaftlicher Verantwortung muss man sehr genau abwägen, wann der richtige Zeitpunkt ist, seine individuellen Bedürfnisse durchdrücken zu wollen. Da andere Sportverbände – und auch der DOSB – eine ähnliche Linie gefahren sind, hielten wir den Zeitpunkt nun für richtig. Viel wichtiger war mir aber das Stimmungsbild in der Mitgliedschaft. Die Mehrzahl schien ein aktives Vorgehen des Verbandes mit klaren Forderungen zu begrüßen. Dem fühle ich mich natürlich verpflichtet.

Für die Schließung von Sport- und Freizeitstätten sind die Gesundheitsämter aber eigentlich gar nicht zuständig, warum hat man dennoch diese als Adressat ausgewählt?

Es ist ja kein juristischer Schritt, sondern ein Ersuch, eine Bitte. Nach unserer Einschätzung geben die Gesundheitsämter derzeit ganz klar den Takt vor und daher war es uns wichtig, dort ein Problembewusstsein zu hinterlegen. Kein Ordnungsamt wird derzeit etwas tun, was nicht fachlich vom Gesundheitsamt abgesegnet ist.

Manche Vereine pochen darauf, dass ihr Platz gar keine Sportstätte ist und es daher gar keine rechtliche Grundlage für eine Sperrung gibt.

Es ist in der Tat so, dass das nicht überall klar geregelt und definiert ist. Aber noch einmal: im Zuge einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, die ein Verband unserer Größenordnung hat, gebietet es der Anstand und auch die Logik, dass wenn Sport-, Spiel und Freizeitstätten geschlossen werden müssen dazu dann auch Modellflugplätze zählen. Juristische Spitzfindigkeiten halte ich in diesem Zusammenhang für unangebracht. Wir können doch nicht auf der einen Seite um die Anerkennung als Sport werben und dann in einer solchen Ausnahmesituation davon abweichen, nur um daraus einen Vorteil erhaschen zu wollen. Dann nimmt uns doch niemand mehr als seriösen Ansprechpartner ernst.

Kann man eine Prognose wagen, wann die Modellflugplätze wieder genutzt werden können?

In den ersten beiden Bundesländern ist das bereits wieder möglich. Und die Signale aus der Politik sind ja inzwischen auch recht eindeutig. Ich gehe davon aus, dass Flugbetrieb auf Modellflugplätzen in den meisten Bundesländern Anfang Mai mit Einschränkungen möglich sein wird. Mitte Mai dann wohl auch bundesweit. Dafür werden wir uns auf jeden Fall weiter einsetzen. Ein normales Vereinsleben wird aber auf absehbare Zeit kaum möglich sein. Und natürlich schwingt immer die Gefahr eines erneuten Lockdowns mit, wenn die Infektionszahlen wieder nach oben schießen. Damit das nicht passiert, appelliere ich eindringlich an die Vernunft unserer Mitglieder.

Kein normales Vereinsleben, das heißt dann auch, keine Flugtage, keine Wettbewerbe und Ähnliches?

Wir hatten sehr früh und vorausschauend alle DMFV-Veranstaltungen zunächst bis Ende Mai abgesagt. Inzwischen haben wir uns entschieden, im Jahr 2020 komplett alle Sportveranstaltungen zu canceln. Das ist sicher ein drastischer Schritt, doch wir haben gegenüber den Vereinen und den Piloten die Pflicht, rechtzeitig für Planungssicherheit zu sorgen. Wir müssen einfach realistisch sein: Ein fairer Wettkampf wäre dieses Jahr nicht mehr möglich. Schon deshalb nicht, weil es auch künftig unterschiedliche Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern geben könnte. Wer an einem Wettbewerb teilnimmt, der bereitet sich aber in der Regel Monate darauf vor. Die Möglichkeit für alle, in gleichem Maße regelmäßig zu fliegen, ist da die Grundvoraussetzung für sportlich faire Wettbewerbe.

Der 7. Juni steht als Tag des Modellflugs bei vielen Vereinen und Modellflugbegeisterten dick im Kalender. Wird an dem Tag der Modellflug wie geplant gefeiert?

Ja klar, aber natürlich anders als geplant. Wir können auch ohne Flugtage zeigen, wie facettenreich das Hobby ist. Modellflug ist ja nicht nur ein Sport in geselliger Runde, er macht auch ganz alleine Spaß. Perfekt zum Abschalten vom Alltag. Auch das kann man zeigen. Und beim Modellflug geht es ja nicht immer nur ums Fliegen, sondern auch ums Bauen, Konstruieren, einfach darum, kreativ zu sein. Auch das kann man wunderbar zeigen. Unsere digitalen Kanäle, von unserer Website bis hin zu Social Media, bieten dafür etliche Möglichkeiten. Der Tag des Modellflugs 2020 wird anders sein, aber er ist eine tolle Gelegenheit, bei der wir Modellflieger wieder etwas näher zusammenrücken können – natürlich rein virtuell. Und da sollten wie im vergangenen Jahr wieder ganz viele Modellflieger mitmachen. Darauf freue ich mich.

Abgesagt – keine DMFV-Sporttermine 2020

Aufgrund der Corona-Pandemie hat das DMFV-Präsidium Ende April 2020 entschieden, alle Sportveranstaltungen für das laufende Jahr abzusagen. Andere Events wie Tagungen, Sitzungen oder Schulungen sind bis zum 31. August 2020 abgesagt.

Das Präsidium hat sich zu diesem gravierenden Schritt entschieden, da unter den jetzigen Voraussetzungen Wettbewerbe nicht fair durchgeführt werden können. DMFV-Sportbeiratsvorsitzender Armin Lutz sagte dazu: „Uns ist natürlich bewusst, dass dieses Vorgehen für viele zum jetzigen Zeitpunkt sehr drastisch ist. Doch wir haben gegenüber den Vereinen und Piloten die Pflicht, für Planungssicherheit zu sorgen. Und das können wir nur, wenn wir eine Zeitschiene schaffen, mit denen die Teilnehmer und Ausrichter von DMFV-Sportwettbewerben einen konkreten Termin vor Augen haben. Es wäre falsch, jetzt ein willkürliches Datum für eine Wiederaufnahme der Wettbewerbsaktivitäten zu kommunizieren, dass dann mehrfach in die Zukunft verschoben werden muss.“ Außerdem betonte Lutz, dass die ausbleibenden Trainingsmöglichkeiten für die Piloten Probleme nach sich ziehen: „Wer an einem Wettbewerb teilnimmt, der bereitet sich in der Regel Monate darauf vor. Regelmäßiges Fliegen und ein immer wiederkehrendes Training von Flugfiguren und Abläufen sind Kernelemente, damit die Piloten einerseits erfolgreich, andererseits auch sicher an solchen Veranstaltungen teilnehmen können.“

Aktuelle Infos zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Modellflugsport gibt es auf der DMFV-Website: www.dmfv.aero

Gleiter gegen Corona – Frust

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Modellflugplätze geschlossen, bestes Flugwetter – Corona-Frust. Fliegen in Anlagen und Parks? Vom Balkon aus? Hier ist das richtige Modell dafür. Kurze Bauzeit, niedrige Kosten, geringe Schmerzen bei Totalverlust, bestens geeignet für Massenproduktion im Familienkreis – aus Papier.

Material

  • ½ A4-Bogen Zeichenkarton (200 g-Papier)
  • 2 Eisennägel 60 mm lang
  • 300 mm langer Stab aus 4×4 mm Hartbalsa o.ä.
  • Klebeband
  • Ein Stück dünner, fester Karton (z.B. von einer Verpackung)

Werkzeug

  • Cuttermesser
  • Schere
  • Klebstoff für Karton
  • Lineal
  • Stift
  • Zahnstocher
  • Küchenmesser

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Bauanleitung
1) Den Bauplan ausdrucken und auf ein festes Stück Pappe kleben. Wenn es der Drucker zulässt, kann der Plan auch direkt auf Zeichenkarton gedruckt werden.

2) Die drei Schablonen entlang der Außenlinien ausschneiden. An den insgesamt zehn mit X markierten Stellen kleine Löcher einstechen (zum Beispiel mit einemZahnstocher).

3) Nun die Schablone für den Flügel auf den Zeichenkarton legen, die Außenkontur nachzeichnen und an jedem X durch das Zahnstocherloch mit einem Stift jeweils eine Markierung setzen.

4) Mit der kleinen Schablone für das Höhenleitwerk genauso verfahren.

5) Die Schablone für das Höhenleitwerk nochmals an anderer Stelle auf den Zeichenkarton legen, jedoch nur den Abschnitt für das Seitenleitwerk nachzeichnen.

6) Mit Hilfe der Markierungen (Zahnstocherlöcher) und eines Lineals die Knickkanten falzen. Dazu mit der stumpfen Rückseite eines Küchenmessers entlang der Linien fahren.

7) Die Vorder- und Hinterkanten der Tragfläche sowie die Vorderkante des Höheleitwerks jeweils um etwa 30 Grad nach unten knicken. Die Flächenohren um etwa 80 Grad nach oben knicken.

8) An einem Ende des Rumpf-Holzstabs mit einem Cuttermesser einen Schlitz machen, sodass man das Seitenleitwerk zu zwei Dritteln hineinstecken kann.

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9) Das Höhenleitwerk, wie auf den Fotos dargestellt, unter das Seitenleitwerk an den Holzstab kleben.

10) Die beiden Nägel mit Klebeband am vorderen Ende des Holzstabs fixieren. Den Schwerpunkt des Holzstabs – zunächst noch ohne Tragfläche – ermitteln.

11) Den Flügel genau mittig so unter den Holzstab kleben, dass der Schwerpunkt des Holzstabs bei einem Drittel des Flügels liegt.

Fliegen
Das Modell zeigt seine Stärke im Geradeaus-Flug an Böschungen und Wiesenhängen. Vor dem Erstflug sollte man sicherstellen, dass die Knicke an Flügel und Höhenleitwerk symmetrisch sind. Mit dem Seitenleitwerk lässt sich der Geradeausflug optimieren, aber auch
Kurvenflug lässt sich damit umsetzen. Mit der umgeknickten Vorderkante des Höhenleitwerks kann man den Gleitflug trimmen: Ist die Flugbahn zu steil nach unten, den Knick vergrößern. Pumpt das Modell (steigt also zu stark), den Knick verringern.

Design
Die Ellipse zeigte sich allen anderen Geometrien überlegen – sowohl in der Aerodynamik als auch in der Statik. Das entspricht den Erfahrungen mit Vollbalsa-Wurfgleitern, die in den angelsächsischen Ländern beliebt sind. Erstaunlich ist auch, dass die starke aerodynamische Schränkung (abnehmende Wölbung nach außen hin) die Leistung verbesserte, im Vergleich zu anderen Flügelformen. Schließlich überraschte das große Stabilitätsmaß, das sich als notwendig erwies, mit einem weit vorn liegenden Schwerpunkt.

Gerhard Wöbbeking

Download:
Bauanleitung