imgp7421Was ist “EASA”? Die “Europäische Agentur für Luftsicherheit” wurde 2002 gegründet und arbeitet im Wesentlichen auf Basis der EU Verordnung 216 aus dem Jahr 2008. Die Agentur hat den Auftrag, einheitliche Vorschriften für den einheitlichen europäischen Luftraum zu entwickeln, zu dem außer dem der 28 Mitgliedsstaaten auch der Himmel über der Schweiz, über Norwegen, Liechtenstein und Island rechnet. Sitz ist Köln, mit einem Büro in Brüssel. 800 europäische Experten unterstützen ihre Arbeit, behauptet die EASA-Website.

EASA Prototype vom 22. August 2016

Nicht zuletzt wegen der stürmischen Verbreitung von Drohnen ist eines der ersten Papiere, die direkt den Modellflug betreffen, der 72seitige Regulierungsvorschlag “On Unmanned Aircraft Operations” (Über den Betrieb von unbemannten Flugzeugen) vom 22. August 2016. Er gibt die gegenwärtige Sicht der EASA wieder und sei “Prototype” genannt worden, weil es sich nur um einen Vorschlag für eine mögliche Regelung handele. Der Vorschlag ist eine Aufforderung an die betroffenen Verbände in Europa, Stellung zu nehmen; aus der Resonanz bei den Verbänden sollen Änderungen folgen, die Ende des Jahres in einem weiteren Papier zusammenzufassen sind. Geschrieben ist der “Prototype” in nicht einfach zu verstehendem Fach-Englisch, und es wird erwartet, dass die Verbände in diesem antworten.

Modellflieger horchen auf, wenn unter Artikel 2 “Definitionen” der Gegenstand des Papiers “UA”, “unmanned aircraft”, genannt wird. Für die EASA ist alles, was ohne Pilot fliegt, ein UA.

Das trifft in der Tat auf jedes Flugmodell zu, das seit Alphonse Pénauds “Planophore” von 1872 stabil zu fliegen in der Lage ist. Doch so offen, wie der Begriff ausgelegt werden kann, denkt die EASA nicht: Die 72 Seiten des Prototype kreisen ausschließlich um das, was umgangssprachlich (wie in der Sprache des internationalen Luftsports) “Drohnen” genannt wird. Das Papier soll einmal die Bestimmungen der EU Kommission werden für “Design, Produktion, Wartung und Betrieb von unbemannten Flugsystemen (UASs) und ihren Antrieben, Propellern, Teilen, nicht eingebautem Zubehör und ihrer Fernsteuerung”.

Kaum vorstellbar, dass hiermit auch der normale Modellflug, wie wir ihn kennen, gemeint sein kann. Doch – wie noch zu zeigen ist – sollten wir uns dabei nicht zu sicher fühlen. Zum “Prototype” selbst:

Da nach Einschätzung der EASA der Betrieb von UA nach Eigenschaften und Aufgaben variiert, sollen die Vorschriften umso strenger werden je höher das Risiko eingeschätzt wird. Geplant sind auch Definitionen und Normen für Hersteller.

Der Kern des EASA-Entwurfs umfasst 15 Artikel auf acht Seiten. Nach Darstellung der Aufgabe (Art. 1) und Definitionen der Begriffe (Art. 2) nennt Artikel 3 drei Kategorien von UA. Die “offene” benötigt keine Erlaubnis der Luftaufsicht, bevor der Betrieb stattfindet; sie hat vier Unter-Kategorien. A0 hat ein Fluggewicht von unter 250 g, sie soll nicht höher als 50 m steigen und sich nicht mehr als 100 m vom Piloten entfernen können. A3 darf bis zu 25 kg wiegen und 150 m hoch steigen. Eine zweite “spezifische” genannte Kategorie verlangt die Autorisierung durch die Behörde. In der dritten, der “zertifizierten” Kategorie muss nicht nur das UA selbst zertifiziert sein, der Pilot muss auch eine Lizenz besitzen und der Techniker, der das Gerät betreut, von der Luftaufsicht anerkannt sein.

Artikel 4 bis 7  gehen näher auf die drei geplanten Kategorien ein. Artikel 8 bis 10 beauftragen die Mitgliedsstaaten mit der Benennung kompetenter Behörden, die den Betrieb von UA einmal autorisieren und überblicken sollen, legt deren Kompetenzen fest und verlangen deren gegenseitigen Austausch. Artikel 11 dreht sich um rechtliche Nachweisverfahren (“means of compliance”), die noch zu entwickeln und abzustimmen sind. Artikel 12 beauftragt die noch einzurichtenden Behörden, Zonen festzulegen, in denen UA betrieben – also Drohnen geflogen werden dürfen. Artikel 13 verlangt von den Behörden, auf erkannte Sicherheitsprobleme hin sofort zu reagieren. Artikel 14 stellt sich vor, bis wann das alles in Kraft tritt: Bis 2019 soll der kommerzielle Betrieb wie die auf dem Markt angebotenen UASs (Unmanned Aircraft Systems) den Regularien entsprechen und ab 2020 sollen UA nur noch im Rahmen europäischer Regeln fliegen dürfen.

Artikel 15 heißt “Übergangsbestimmungen”. Hier wird offenbar erstmals auch der Modellflug adressiert, wie wir ihn kennen und ausüben, sei es mit Multikoptern oder mit herkömmlichen Flächenmodellen, Helikoptern usw. Der Artikel lautet sinngemäß:

  1. Ab 2020 (voraussichtlich) soll die zuständige nationale Behörde die Erteilung einer Betriebserlaubnis an Verbände oder Klubs delegieren können. Das betrifft die “spezifische”, die zweite Kategorie von UA und verlangt unter anderem, das der Betreiber als solcher registriert ist und seine Nummer auf seinem Modell steht (in der “offenen Kategorie” ist keine Betriebserlaubnis von Nöten).
  2. Geeignete Verbände und Clubs brauchen für diese Betriebserlaubnis keine spezifische Risiko-Bewertung vorzunehmen.
  3. Die beauftragten Verbände und Clubs sollen die “Bedingungen, Grenzen und Abweichungen” vom EASA Regelwerk selbst definieren.

Damit wird Modellflugverbänden und Aeroclubs eine wichtige Rolle eingeräumt. Faktisch bekämen sie in Zulassungsfragen mehr Verantwortung, als das je der Fall war – eine Ehre, die zur Bürde werden dürfte.

Wie die EASA den herkömmlichen Modellflug sieht, erläutert sie in der 13seitigen Ausführungsnotiz, die das vorgeschlagene Regelwerk verständlicher machen soll. Für uns interessant sind die Anmerkungen zu Artikel 15, dem Betrieb von “Unmanned Aircraft” als Freizeit und Sport im Rahmen von Verbänden und Clubs.

Darin wird wiederholt, dass der Betrieb zunächst drei Jahre weitergehen kann wie bisher – also unter der Aufsicht der zuständigen Behörden. Danach aber sollen diese nationalen Behörden Verbände und Klubs beauftragen, die Bestimmungen der “spezifischen Kategorie” bei ihren Mitgliedern durchzusetzen. Hobbyflieger ohne Mitgliedschaft sollen sich an die Regeln halten oder Mitglied werden. Und jetzt kommt’s: Die Regeln für Drohnen sollen dann aber auch für den gesamten Modellflug gelten, wie wir ihn kennen! Wichtigste Neuerung wäre, dass man sich – egal ob Modellflieger oder Drohnen-Pilot – national zu registrieren und diese Nummer auf dem Flugmodell zu stehen hat. Aber auch die Flughöhen und -entfernungen, die zu den verschiedenen Klassen von “unmanned aircraft” – sprich Drohnen – gehören, sollen dann für Flugmodelle gelten, egal ob das zu diesen passt oder nicht. “Wir haben mehrfach versucht, klassische Flugmodelle von ‘unmanned aircraft’ per Definition zu unterscheiden. Das erwies sich als schwierig, weil ein Flugmodell ein ‘unmanned aircraft’ ist,” schreiben die Autoren der EASA.

Sie wollen auch keine Unterscheidung:

  • Ein Drohnen-Pilot könnte erklären, sein Fluggerät sei ein Flugmodell und so den Regulierungen entkommen,
  • die europäische Mitgliedsstaaten müssten spezielle Regeln für Flugmodelle entwickeln, wenn die EASA-Drohnen-Bestimmungen nicht für Modelle gelten sollen (und das sei ihnen nicht zuzumuten?), und
  • das prinzipielle Ziel, das Betriebsrisiko von ‘unmanned aircraft’ abzuwägen und zu verringern, dürfe Flugmodelle nicht ausklammern – so die EASA.

 

Antwort des DMFV vom 15. September 2016

Am 15. September 2016 schickten Präsident und Geschäftsführer des DMFV die von einem kleinen Team erarbeitete Stellungnahme zum “Prototype” nicht nur an die EASA in Köln, sondern in Kopie an alle betroffenen Aeroclubs und Modellflugverbände in Europa. Auf sieben Seiten versucht das Papier der EASA vermitteln, dass der klassische Modellflug nicht zugleich mit den von der EASA anvisierten Drohnen geregelt werden darf.

Abschnitt I gibt dem EASA-Papier recht, sofern es um den Betrieb von autonomen Drohnen geht, die außerhalb der Sichtweite operieren sollen. Es fehlten aber Regelungen für Flugmodelle, die in Sichtweite fliegen und nicht autonom gesteuert sind. Noch im Papier A-NPA vom Oktober 2015 habe die Agentur zwischen Flugmodellen und “unmanned aircraft” unterschieden. – Es fehle ebenfalls eine klare Position zu den Flugplätzen. Dabei habe es doch bereits eine klare Übereinkunft gegeben, dass behördlich anerkannte Fluggelände keinem einschränkenden Regelwerk unterliegen müssten. Auch die Modellflieger selbst dürften einem solchen Regelwerk nicht unterworfen werden, solange sie Modellflug als Sport und Erholung an zugelassenen Plätzen betrieben. Im übrigen seien DMFV- Mitglieder über den verantwortlichen Betrieb von Drohnen aufgeklärt und über den Verband ausreichend kontrolliert.

Abschnitt II der DMFV Stellungnahme wendet sich direkt gegen die Übergangsbestimmungen in Artikel 15 des “Prototype” der EASA für den Modellflug. Dieser würde dem klassischen Modellflug in Sport und Freizeit gerade noch ein paar Jahre gewähren, bevor er den restriktiven EASA-Regeln für Drohnen gehorchen und von ihnen stranguliert werden solle.

Zentrales Problem des EASA-Papiers sei die gemeinsame Definition für Flugmodelle wie für Drohnen als “unmanned aircraft”. Das sei ein grundlegender Fehler: In über einhundert Jahre habe sich der Modellflug mit dem einzigen Ziel etabliert, Flugmodelle nach gemeinsamen Regeln fliegen zu lassen. Dabei komme es nicht auf die Art der Modelle an; zu ihnen würden auch Multikopter gehören. Allen Sparten des Modellflugs aber sei gemeinsam, dass Kenntnisse und Fähigkeit, die Modelle zu steuern, im Rahmen von Organisationen vermittelt würden, die auf einer Gemeinschaft gründen – diese “community” vermittele Wissen, Fluggelände und Anleitung. “Um die nötige Fertigkeit zu erwerben, ein Flugmodell zu beherrschen, braucht es Monate oder Jahre.”

Dagegen seien Drohnen – “unmanned aircraft” in der Definition der EASA – so konstruiert, dass sie überall verkauft und ohne besondere Kenntnisse oder Training geflogen werden könnten. Bei ihnen gehe es in der Regel nicht ums Fliegen allein, sie seien vielmehr Plattformen für Aufgaben wie das Sammeln von Daten durch Fotografieren und Filmen oder um Güter zu transportieren. Der Unterschied lasse sich vereinfacht so darstellen:

Klassische Flugmodelle Drohnen
Modelle mit festen Flächen, Helikopter, Multikopter, Ballone und Luftschiffe, Raketen Multikopter zwischen 250 g und 25 kg – entsprechend EASA-Kategorien
Zweck: Fliegen als Sport und Freizeitvergnügen Zweck: Sammeln von Daten aller Art
Eingesetzt von Verbandsmitgliedern … Eingesetzt von Firmen und Behörden oder schlicht von Verbrauchern …
…, die gegebene Restriktionen des Luftraums kennen und wohlbekannte Sicherheitsregeln beachten. …, die zusätzliche Beschränkungen des Luftraums und noch zu definierende Sicherheitsregeln beachten sollen.
Piloten sind über ihre Organisationen bereits registriert Piloten müssten über die Luftsicherheits-Aufsicht registriert werden

Würde – so der DMFV – die europäische Kommission ab 2020 den Modellflug in der gleichen Weise regulieren wie den Betrieb von Multikopter-Drohnen, wäre der zweitälteste und bei weitem populärste Luftsport am Ende: Praktisch alle Flugmodelle dürften die Flugaufgaben nicht mehr erfüllen, für die sie ausgelegt sind. “Etwa die Hälfte der Anhänger des Modellflugs weltweit leben in Europa. Wir können nicht glauben, dass die Europäische Union willens ist, dem technisch vielleicht anspruchsvollsten Hobbysport überhaupt seine Grundlagen zu entziehen.”

Abschnitt III der DMFV Stellungnahme verweist auf die Regelungen, die in den USA zwischen der US-Luftaufsicht FAA und der Vertretung der Modellflieger, der “Academy of Model Aeronautics” AMA, ausgehandelt wurden. Da ging es zunächst auch um eine reduzierte Flughöhe von 400 Fuß (122 m) für alle Flugmodelle. U.a. mit Schreiben vom 7. Juli 2016 hat die FAA aber Verbänden ausdrücklich zugesagt, nicht an diese Höhe gebunden zu sein, “wenn im Rahmen des Verbandes geflogen wird, der Pilot Mitglied der AMA ist, bemanntes Flugzeuge nicht gefährdet und das Modell in Sichtweite des Piloten oder eines Beobachters bleibt”. Die “Prototype” Regulierung der EASA dagegen würde auf höchstens 500 Fuß (152 m) auch für Piloten anerkannter Verbände bestehen.

Abschnitt IV fasst die Forderungen des DMFV an zukünftige europäische Regelungen zusammen:

  • Eine klare Trennung klassischer Flugmodellen von Drohnen,
  • gesetzlich gesicherte Ausnahmen für anerkannte Verbände, wenn Modellflug als Sport oder Freizeit auf zugelassenen Plätzen betrieben wird,
  • und unbegrenzte Flughöhe für Verbandsmitglieder bei Sport und Freizeit im Rahmen von Sicherheitsregeln, vergleichbar der Übereinkunft in den USA.

Das bedeute insbesondere eine Neuformulierung des Artikels 15 der vorgeschlagenen EASA Regulierung, bei der der DMFV jederzeit als Gesprächspartner zur Verfügung stehe.

Gerhard Wöbbeking